Miss Ellie ist wieder im Wald

Nach langer Zeit habe ich mal wieder ein paar Videoaufnahmen gemacht. Die Schweine sind letzte Woche von der Sommerweide wieder in den Wald umgesiedelt. Dort haben sie jetzt ein neues großes Waldstück dazubekommen, in dem sie nach Herzenslust wühlen können und im Moment vor allem die ganzen Kastanien, Nüsse und sonstigen Früchte finden und fressen können, die es jetzt gerade gibt. Dazu gibt es noch ein paar Äpfel von den Streuobstwiesen und so werden sie garantiert mehr als satt!

Als ich angekommen bin, kam mir Miss Ellie gleich entgegen und ich war doch sehr verwundert, dass sie immer noch ganz schön klein ist (obwohl sie jetzt schon zehn Monate alt ist). Wie sich dann allerdings herausgestellt hat, hat sie wohl eine kleine Doppelgängerin geschickt, die auch den schwarzen Fleck auf dem Rüssel und den hellen Fleck auf der Stirn hat (irgendwie erinnert mich an das Stöckchen bei Hänsel und Gretel!).

Wir mussten dann fast eine Stunde nach ihr suchen, so gut hatte sie sich versteckt. Wie man auf den Bildern gut sehen kann, geht es den Tieren einfach nur gut und es macht viel Spaß, zwischen ihnen rumzulaufen, ihnen die ganzen Zeit zuzuschauen.

Nach aktueller Planung werden wir voraussichtlich im Februar ins Schlachthaus gehen, MIss Ellie wird also am Ende etwa 14 Monate alt sein. Ich werde die Zeit bis zum Jahresende noch nutzen, mal ein wenig konkreter über dieses ganze Thema nachzudenken, ein wenig mulmig ist mir dabei schon…

Miss Ellie auf der Sommerweide im Mai

Bei meinem letzten Besuch bei Miss Ellie, waren die Schweine bereits vom Wald auf die Sommerweide umgezogen. Bei herrlichem Wetter bin ich mit ein paar Freunden nach Oberkirch gefahren und wir musste Miss Ellie erst einmal suchen. Es gab mehrere Gruppen von Schweinen auf verschiedenen Weiden und ich war mir nicht sicher, welche Gruppe es wohl ist. Ich habe eigentlich gedacht, dass sie und ihre Geschwister eigentlich schon etwas größer sein müssten als sie dann tatsächlich waren… das ist ja aber auch genau eines der Merkmale, dass sie nun in einem Alter ist in dem ein Industrieschwein bereits sein Schlachtgewicht erreicht hat und die Schweine auf dem Hofgut Silva im Vergleich eben noch relativ klein sind.

Wie im Film schön zu sehen ist, wird die Schnauze und der mittlerweile bekannte Fleck erst durch das Wasser sichtbar und dann war es aber endlich klar, dass es tatsächlich Miss Ellie. Obwohl ich normalerweise gerne helfe, die Schweine zu füttern, war es für mich bei diesem Besuch klasse, dass ich die Schweine mal einfach so beobachten und filmen konnte, Wir saßen zwischen den Tieren auf der Weide und haben die entspannte Atmosphäre genossen.

Ist doch Kacke, Mann!

Ich muss immer wieder lachen, wenn ich an diesen Spruch im ersten Tobey Maguire Spider-Man denken muss., Der fällt mir dann auch immer im richtigen Moment ein.

So auch wieder neulich, als wir bei Miss Ellie zu Besuch waren. Wenn man so zwischen den Schweinen rumstapft, dann hat man nicht nur Erde, sondern natürlich auch die Kacke an den Schuhen. Wenn einer von euch mal in einem Schweinestall war und den Gülleduft der Kacke und des Urins riechen durfte, der weiß, dass das ziemlich penetrant und scharf stinkt.

Das liegt allerdings nicht immer nur an den Räumlichkeiten, sondern auch daran, dass die Tiere (natürlich nicht überall und in allen Fällen) zusätzlich zum Futter auch ein Abführmittel bekommen , dass die Exkremente schön flüssig sind und so dann leicht durch die Spaltböden abfließen können. Cool, was? Und das ist Kacke, Mann!

Bei Schweinen, die wie Miss Ellie gut gefüttert werden und die im Freien leben, funktioniert das alles noch ganz normal und wenn man dann so ein Stück davon aufhebt und anfasst, stellt man fest, dass der Klumpen eine ziemlich feste Konsistenz hat (eben wie es sein sollte), überhaupt nicht stark riecht und einem so auch eine Auskunft darüber gibt, dass es den Tieren gut geht. Ein Aspekt, an den ich vorher nie gedacht habe, der mir jetzt aber doch deutlich bewusst geworden ist.

Gedanken zur Schlachtung und zum Schlachtfest

Ein Gastbeitrag von Judith Wohlfarth, auf deren Hofgut Silva mein Schwein lebt und die mir Mein Schwein und ich ermöglicht.


Die Schlachtung

Viele Besucher fragen uns, ob wir nicht ein Problem damit haben unsere Tiere zu schlachten, da wir ein enges Verhältnis zu ihnen haben. Für uns war von Anfang an klar: wenn wir bei der Schlachtung nicht dabei sein können, weil wir es nicht ertragen, dann können wir unsere Idee nicht umsetzen.

In der Natur geht es immer darum zu überleben; irgendwer ist immer stärker und letztendlich führt das auch dazu, dass ein Tier ein anderes Tier tötet. Was wäre, wenn wir unsere Tiere nicht schlachten würden? Wir müssten entweder die Eber von den Sauen trennen und sie dürften sich nie vermehren. Das führt bei den meisten Tieren zu schlechter Laune und Aggression. Sowohl bei den Sauen, als auch bei den Ebern. Die Alternative dazu wäre, dass wir sie nicht trennen und irgendwann unser Tierbesatz so hoch wäre, dass unser gesamtes Gelände umgewühlt wäre; die Tiere im Matsch und Dreck stehen und sich Krankheiten ausbreiten, die dann den Bestand wieder dezimieren. Tiere, die an Krankheiten zu Grunde gehen leiden länger, als bei einer sauberen Schlachtung. Beide Alternativen sind meines Erachtens zu verwerfen.

Ein Großteil der Menschen kommt zu uns, weil sie den hohen Genusswert unseres Fleisches schätzen und weil die Tiere artgerecht gehalten werden. Sowohl für unser Gewissen, die Gesundheit der Tiere, als auch für die Genussqualität ist es ausschlaggebend, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und die Schlachtung ruhig und schnell verläuft.

Meine Mutter sagt immer „Jedes Tier lebt gleich gern“. Wir entscheiden, wer geschlachtet wird und wer leben darf. Schon allein die Entscheidung zu treffen fällt schwer. Im Endeffekt hintergehen wir das Vertrauen, das die Tiere in uns haben. Daher schulden wir den Tieren die einwandfreie Schlachtung. Der schwerste Teil, ist das Tier vom lebenden in den toten Zustand zu überbringen. Erst wenn man eine Schlachtung ein paar Mal erlebt hat, versteht man wirklich was es bedeutet, dass diese Entscheidung nicht umkehrbar ist. Aber so wie wir uns freuen, wenn wir kleine Ferkel bekommen, sind Montage, an denen wir schlachten, nicht unsere Lieblingstage. Wir sind bis zum Ende dabei. Das sind wir dem Tier schuldig und bis zum Schluss hören sie vertraute Stimmen. Wir geben dem Tier so viel Zeit wie es braucht beim Abladen und bis es im Wartebereich angekommen ist. Die Betäubung und das anschließende Ausbluten geht dann sehr schnell. Dabei muss man sagen, dass wir auch großes Glück mit dem Schlachthof in Oberkirch haben, der von der Metzgerei Müller betrieben wird, dass sie uns diese Zeit geben und unsere Tiere erst ganz zum Schluss kommen, wenn die Rush Hour des frühen Morgens vorbei ist.

So schlimm es auch klingen mag: nachdem das Leben aus den Augen der Tiere verschwunden ist, wird das Lebewesen zu einem Produkt – brühen, enthaaren, ausnehmen, zerlegen, entbeinen, verwursten. Je kleiner die Teile, desto abstrakter wird es; desto mehr verliert es die Verbindung zum lebenden Tier. Für die Wertschätzung, die das Fleisch und die verarbeiteten Produkte aber am Ende verdient haben, ist es unerlässlich diese Verbindung wieder herzustellen. Dies ist uns ein Anliegen. Deshalb verarbeiten wir auch so viel wie möglich und wir versuchen den Menschen auch Stücke vom Schwein wieder nahe zu bringen, die sie vergessen haben, wie beispielsweise Bauch oder Haxen.

Das Schlachtfest

Das Schlachten ist in der Überflussgesellschaft in der wir heute leben, kein Fest mehr. Fast jeder kann sich Fleisch leisten. Heute verzichten wir freiwillig darauf. Bis vor ca. 80 Jahren war das anders. Da war Fleisch noch ein luxuriöses Lebensmittel. Jeden Tag Fleisch zu essen konnten sich nur sehr wohlhabende Menschen leisten. Die Mittelklasse und die ärmere Bevölkerung hatte nur sehr wenig oder gar kein Fleisch zur Verfügung. Die, die es sich leisten konnten hielten sich ein, zwei Schweine im Stall, die mühevoll mit dem was die Küche abwarf, großgezogen wurden. Die Schweine wurden sehr viel älter. Das lag nicht nur an der Rasse, sondern auch daran, dass die Schweine nicht so energiereiches Futter bekommen haben. Und das wiederum war der Tatsache geschuldet, dass die Lebensmittel mit hohem Nährwert zunächst einmal die Familie ernährten und der Rest für die Schweine war. Weniger Energiezufuhr hieß langsameres Wachstum. Nach 1-2 Jahren wurden die Schweine geschlachtet. Die Schlachtung war ein Mal im Jahr und etwas ganz besonderes. Denn es hieß: der Vorratskeller wurde mit edlen Köstlichkeiten vom Schwein aufgefüllt. Die Schlachtung war wahrlich ein Fest. Schon Wochen, ja Monate vor der Schlachtung war das Fleisch im Haus ausgegangen und man freute sich auf den Nachschub. Nach der Schlachtung wurde sofort verwurstet. Alles wurde verarbeitet. Das gute Fett und das Schmalz, das heute auch weggeschmissen wird, waren wichtiger Energielieferant zu Zeiten harter körperlicher Arbeit.

Die Notwendigkeit ein Tier zu schlachten war damals also eine vollkommen andere als heute. Der Hintergrund waren Armut und Not, nicht Wohlstand und Schaulust. Die Freude, die mit dem Auffüllen der Vorratskammern entstand, kann man sich heutzutage nur noch schwer vorstellen. Heute werden viel mehr Tiere geschlachtet als wir benötigen. Ein großer Prozentsatz an Tieren und einzelnen Stücken (Füßchen, Köpfe, Ohren, etc.) werden exportiert. Warum soll es heute noch ein Fest sein ein Tier zu schlachten? Manchmal habe ich das Gefühl, je weiter der Mensch von der Schlachtung entfernt ist, desto mehr zieht es ihn hin.

Es ist wichtig, dass uns klar wird, dass ein Tier stirbt, damit wir es essen können. Und jeder Mensch sollte wenigstens Mal eine Schlachtung gesehen haben. Aber bitte in der gewohnten Schlachtstätte und nicht als Fest, wo das Tier vor versammelter Mannschaft sein Leben lässt.

Besuch Ende März bei Miss Ellie

Miss Ellie - 2016-03-28
Miss Ellie, dreieinhalb Monate alt

Es sind jetzt bereits sieben Wochen, seit ich das letzte Mal bei Miss Ellie zu Besuch war. Heute sind wir dann mal wieder hingefahren. Mittlerweile sind wieder einige neue Ferkel geboren worden, so dass im Moment knapp über 100 Schweine auf dem Hofgut Silva leben. Im Vergleich zu den kleinsten, die knapp 3 Wochen alt sind, sind die Schweine der “Miss-Ellie-Generation”, die jetzt dreieinhalb Monate alt sind schon riesengroß. Wenn man aber andererseits bedenkt, dass die Schweineindustrie daran arbeitet, dass Mastschweine bereits mit vier oder viereinhalb Monaten ihr Schlachtgewicht erreichen sollen, ist das schon erschütternd. Dagegen sind sie dann doch noch ganz schön klein.

Miss Ellie und ihre Mutter
Miss Ellie und ihre Mutter

 

Wie üblich habe ich beim Füttern geholfen, irgendwie macht das richtig Laune, wenn man mit den Eimern ankommt, die drehen ja fast durch. Das ist ein Gequieke und Gekreische, als hätten sie seit Wochen nichts mehr bekommen. Und so zwischen den Schweinen rumzustolpern und von ihnen fast über den Haufen gerannt zu werden ist auch witzig.

Mein Schwein und ich 2016-03-28
Ich und mein Schwein (das linke :))

Das Zutrauen ist weiter gewachsen, so dass sie jetzt nicht mehr abhauen, wenn man sie berührt, ich kann also mehr oder weniger mittendrin sitzen und sie beobachten. Wenn ich allerdings versuche, mich direkt mit meinem Schwein zu beschäftigen, rennt sie dann doch immer wieder weg (wobei sie das vermutlich auch einfach als Störung beim Fressen empfindet). Andererseits kann ich es auch irgendwie verstehen, dass sie mich nicht so sehr mag… 😉

So langsam fange ich an, mir Gedanken zu machen, wie das dann alles wird, wenn eines Tages der Schlachttag kommt. Ich habe ja bereits zu Beginn geschrieben, dass ich möglichst viel vom Schwein verarbeiten möchte und dazu gehört nicht nur das typische “Nose-to-tail Eating”, sondern auch die Fragestellung, was man denn sonst noch so alles aus den verschiedenen Teilen des Tiers machen kann. Judith hat z. B. bereits die erste Charge Seife hergestellt, was ich auch sehr interessant finde. Ich werde demnächst beginnen, die Liste der Teilstücke um weitere Themen und Fragestellungen zu ergänzen…

Salami Berkshire
Salami vom Berkshire
Schinken Berkshire
Schinken vom Berkshire. Das Fett schmilzt gerade so im Mund…

Auf jeden Fall waren die Salami und der Schinken, die wir heute noch probiert haben ein Gedicht und natürlich stehen diese Produkte ohnehin auf der ToDo-Liste!

Video von Miss Ellie zum Besuch im Februar

Als ich neulich bei Miss Ellie zu Besuch war, habe ich auch mal wieder ein paar Videoaufnahmen gemacht. Hier gibt’s noch ein paar mehr Infos zu den Fressmatten, dem Hoffest 2016 (bom 09.-12. September) und noch ein paar Gedanken…

Wie immer freue ich mich über Feedback oder Kommentare.

Schon zwei Monate alt und ganz schön groß…

Gestern war ich nach einem Monat mal wieder bei Miss Ellie zu Besuch. Sie ist jetzt schon zwei Monate alt und in diesen vergangenen vier Wochen hat sich schon ganz schön wieder was getan.

Die Kleinen sind nicht nur schon wieder ordentlich gewachsen, sondern fressen mittlerweile auch richtiges Futter (vor vier Wochen haben sie das erst angefangen zu entdecken und haben mehr oder weniger nur daran geknabbert und sich vor allem von der Muttermilch ernährt). Jetzt sind sie gierig wie die großen auch und kämpfen fast schon um jeden Bissen. Interessant ist, dass die Berkshire im Gegensatz zu den Tamworth wesentlich aggresiver und egoistischer sind, wenn es um das Fressen geht.

Ich konnte beim Mischen des Futters helfen und habe dann bei “meiner Gruppe” (also die, zu denen auch Miss Ellie gehört) den Futterteppich ausgebreitet und das Futter ausgestreut. Die Schweine sind so gierig, dass sie einen dabei fast umwerfen und man vor allem die Hälfte des Eimerinhalt über die Schweine kippt.

Bei herrlichem Wetter bin ich dann also so zwischen den Schweinen gesessen, habe ihnen beim Fressen zugesehen und konnte Miss Ellie ziemlich gut beobachten, mittlerweile ist auch eine direkte Kontaktaufnahme mit Ohrkraulen, über den Rücken streichen usw. möglich.

Mein Schwein heißt Miss Ellie

Heute war ich mal wieder bei meinem Schwein zu Besuch. Es ist jetzt zweieinhalb Wochen alt und im Vergleich zu letzter Woche schon wieder rasant gewachsen.

Seit heute hat es auch offiziell einen Namen, es heißt Miss Ellie. Ich hatte ja lange überlegt, ob ich ihm überhaupt einen Namen geben soll, da das zu persönlich sein könnte, finde aber genau das sehr wichtig. Es ist verdammt noch Mal eine persönliche Sache, wenn ich Miss Ellie immer besuche, sie aufwachsen sehe, filme, fotografiere und dann am Ende mit ihr den letzten Gang zum Schlachthof antreten werde. Und dann heißt es eben nicht Schwein Nummer 367367, sondern eben Miss Ellie. Wohl ist mir natürlich nicht dabei, vor allem weil die kleinen Dinger ja verdammt süß sind.

Miss Ellie, knapp zweieinhalb Wochen alt

Miss Ellie, knapp zweieinhalb Wochen alt

Wie Judith das beim letzten Mal schon angekündigt hat, sind die Kleinen jetzt schon ein wenig zutraulicher geworden, sie kommen zögerlich heran, schnuppern an der Hand und das ein oder andere kann sogar schon kurz berühren. Das Fell ist noch seidenweich, nicht so borstig wie bei den alten. Ich schätze mal, dass das in einer Woche oder so dann mit der Zurückhaltung ganz vorbei ist und sie sich richtig herantrauen…