Miss Ellies letzter Tag vor der Schlachtung

Kaum zu glauben, aber es sind nun tatsächlich schon fast zwei Jahre, dass ich die Idee hatte, eine Patenschaft für ein Schwein zu übernehmen. Heute ist Miss Ellies letzter Tag und morgen früh – nach fünfzehn Monaten werden wir nun ins Schlachthaus gehen. Im Video gibt’s noch ein paar Infos und Gedanken, bevor wir dann morgen früh um halb sieben losfahren.

Vorbereitung auf das Ende… die Planung der Schlachtung

Letzte Woche habe ich den ersten schweren Termin in Oberkirch gehabt, da ich mich nun konkret mit den Vorbereitungen auf die Schlachtung von Miss Ellie beschäftigen muss. Mitte März ist der Termin im Schlachthof angesetzt und dann wird das, worum es in dieser ganzen Geschichte geht auch tatsächlich in die Tat umgesetzt. Miss Ellie wird geschlachtet und danach zu Fleisch und Wurst verarbeitet.

Wenn ich so darüber schreibe, dann ist das kein gutes Gefühl. Wir sind in den Wald hochgegangen und haben die Tiere gerufen und wie ein Hund kommen Sie angerannt, wenn sie die Stimmen hören, lassen sich kraulen und fühlen sich einfach sauwohl. Es ist schon eine besondere Beziehnung, die Judith und Ursel zu den Tieren aufbauen und pflegen. Wie hat es Ursel einmal formuliert? Gewissermaßen ist es eine Art Verrat,dass die Tiere uns vertrauen und wir dann mit ihnen in den Schlachthof gehen, sie töten und zu Nahrungsmitteln verarbeiten. Das beschreibt es schon irgendwie ganz gut. Aber was erzähle ich. Ich wollte es so und es war mir ja auch von Anfang an klar, dass es so kommen wird und ich halte es ja auch für richtig.

Ich war also mal wieder zu Besuch, um an einem Schlachttag dabei zu sein, und mir dabei den ganzen Ablauf im Schlachthof anzuschauen. Ich war ja schon ein paar mal in einem Schlachthof, von daher kenne ich den Prozess im Prinzip schon, aber es gibt natürlich in jedem Betrieb unterschiedliche Vorgehensweisen und Abläufe. An diesem Tag waren wir mit fünf Tieren dort und wie üblich kommen die als letzte an die Reihe, was gut ist, da danach nichts mehr passiert, das heißt alles ist schon relativ ruhig.

Wie meistens üblich werden die Schweine auch hier mit einer Elektrozange betäubt, von daher war mir das also schon bekannt. Nach dem Stechen geht es zum Brühen in eine große Wanne und danach in die Trommel, in der die Haare entfernt werden. Wenn die Tiere da dann rauskommen, ist der Schritt vom Tier zum Produkt bereits vollzogen, weil sie nicht mehr erkennbar sind und wie übliche tote Schweine aussehen (der Unterschied zwischen den Berkshires und Tamworth ist aufgrund der Form der Schnauze natürlich noch auszumachen). Sind die Schlachtkörper dann halbiert, kommen sie ins Kühlhaus und am nächsten Tag werden sie weiter verarbeitet.

Ich konnte dann noch mit den verschiedenen Leuten sprechen, dem Schlachter, dem Veterinär, der die Fleischbeschau macht, demjenigen der die Därme reinigt und dem Metzger, der den Schlachthof betreibt. Somit sind wir also auf die Schlachtung vorbereitet.

Miss Ellie hat Geburtstag und ist ein Jahr alt

In einem meiner ersten Artikel habe ich erzählt, dass mir mal ein alter Metzger gesagt hat, dass ein gutes Schwein mindestens seinen ersten Geburtstag erleben muss. Das hat Miss Ellie jetzt schon hinter sich, vor einer Woche ist sie also ein Jahr alt geworden.

Nachdem sie bei meinem letzten Besuch im Wald versteckt und kaum zu finden war, kam sie heute gleich zu uns um sehen, wer da ist. Der Boden war gefroren, so dass man richtig sehen konnte, wie die Schweine sich recht vorsichtig bewegen. Auch die Wassertröge waren mit Eis bedeckt und wir haben das Eis zerbrochen, aber wie mir erzählt wurde, hätten das die Schweine auch selbst gemacht.

Ich war ziemlich überrascht, wie viel Gewicht Miss Ellie in den letzten zwei Monaten zugelegt hat, ich schätze sie jetzt auf etwa 80 Kilo und wie mir Judith gesagt hat, ist das eigentliche Wachstum so mit den 10 Monaten (das war beim letzten Besuch) so ziemlich abgeschlossen und sie legen dann vor allem Gewicht zu. Im Vergleich zu ihren Geschwistern hat sie tatsächlich ein paar Kilo mehr und steht ziemlich gut im Futter.

Miss Ellie ist wieder im Wald

Nach langer Zeit habe ich mal wieder ein paar Videoaufnahmen gemacht. Die Schweine sind letzte Woche von der Sommerweide wieder in den Wald umgesiedelt. Dort haben sie jetzt ein neues großes Waldstück dazubekommen, in dem sie nach Herzenslust wühlen können und im Moment vor allem die ganzen Kastanien, Nüsse und sonstigen Früchte finden und fressen können, die es jetzt gerade gibt. Dazu gibt es noch ein paar Äpfel von den Streuobstwiesen und so werden sie garantiert mehr als satt!

Als ich angekommen bin, kam mir Miss Ellie gleich entgegen und ich war doch sehr verwundert, dass sie immer noch ganz schön klein ist (obwohl sie jetzt schon zehn Monate alt ist). Wie sich dann allerdings herausgestellt hat, hat sie wohl eine kleine Doppelgängerin geschickt, die auch den schwarzen Fleck auf dem Rüssel und den hellen Fleck auf der Stirn hat (irgendwie erinnert mich an das Stöckchen bei Hänsel und Gretel!).

Wir mussten dann fast eine Stunde nach ihr suchen, so gut hatte sie sich versteckt. Wie man auf den Bildern gut sehen kann, geht es den Tieren einfach nur gut und es macht viel Spaß, zwischen ihnen rumzulaufen, ihnen die ganzen Zeit zuzuschauen.

Nach aktueller Planung werden wir voraussichtlich im Februar ins Schlachthaus gehen, MIss Ellie wird also am Ende etwa 14 Monate alt sein. Ich werde die Zeit bis zum Jahresende noch nutzen, mal ein wenig konkreter über dieses ganze Thema nachzudenken, ein wenig mulmig ist mir dabei schon…

Miss Ellie auf der Sommerweide im Mai

Bei meinem letzten Besuch bei Miss Ellie, waren die Schweine bereits vom Wald auf die Sommerweide umgezogen. Bei herrlichem Wetter bin ich mit ein paar Freunden nach Oberkirch gefahren und wir musste Miss Ellie erst einmal suchen. Es gab mehrere Gruppen von Schweinen auf verschiedenen Weiden und ich war mir nicht sicher, welche Gruppe es wohl ist. Ich habe eigentlich gedacht, dass sie und ihre Geschwister eigentlich schon etwas größer sein müssten als sie dann tatsächlich waren… das ist ja aber auch genau eines der Merkmale, dass sie nun in einem Alter ist in dem ein Industrieschwein bereits sein Schlachtgewicht erreicht hat und die Schweine auf dem Hofgut Silva im Vergleich eben noch relativ klein sind.

Wie im Film schön zu sehen ist, wird die Schnauze und der mittlerweile bekannte Fleck erst durch das Wasser sichtbar und dann war es aber endlich klar, dass es tatsächlich Miss Ellie. Obwohl ich normalerweise gerne helfe, die Schweine zu füttern, war es für mich bei diesem Besuch klasse, dass ich die Schweine mal einfach so beobachten und filmen konnte, Wir saßen zwischen den Tieren auf der Weide und haben die entspannte Atmosphäre genossen.

Besuch Ende März bei Miss Ellie

Miss Ellie - 2016-03-28
Miss Ellie, dreieinhalb Monate alt

Es sind jetzt bereits sieben Wochen, seit ich das letzte Mal bei Miss Ellie zu Besuch war. Heute sind wir dann mal wieder hingefahren. Mittlerweile sind wieder einige neue Ferkel geboren worden, so dass im Moment knapp über 100 Schweine auf dem Hofgut Silva leben. Im Vergleich zu den kleinsten, die knapp 3 Wochen alt sind, sind die Schweine der “Miss-Ellie-Generation”, die jetzt dreieinhalb Monate alt sind schon riesengroß. Wenn man aber andererseits bedenkt, dass die Schweineindustrie daran arbeitet, dass Mastschweine bereits mit vier oder viereinhalb Monaten ihr Schlachtgewicht erreichen sollen, ist das schon erschütternd. Dagegen sind sie dann doch noch ganz schön klein.

Miss Ellie und ihre Mutter
Miss Ellie und ihre Mutter

 

Wie üblich habe ich beim Füttern geholfen, irgendwie macht das richtig Laune, wenn man mit den Eimern ankommt, die drehen ja fast durch. Das ist ein Gequieke und Gekreische, als hätten sie seit Wochen nichts mehr bekommen. Und so zwischen den Schweinen rumzustolpern und von ihnen fast über den Haufen gerannt zu werden ist auch witzig.

Mein Schwein und ich 2016-03-28
Ich und mein Schwein (das linke :))

Das Zutrauen ist weiter gewachsen, so dass sie jetzt nicht mehr abhauen, wenn man sie berührt, ich kann also mehr oder weniger mittendrin sitzen und sie beobachten. Wenn ich allerdings versuche, mich direkt mit meinem Schwein zu beschäftigen, rennt sie dann doch immer wieder weg (wobei sie das vermutlich auch einfach als Störung beim Fressen empfindet). Andererseits kann ich es auch irgendwie verstehen, dass sie mich nicht so sehr mag… 😉

So langsam fange ich an, mir Gedanken zu machen, wie das dann alles wird, wenn eines Tages der Schlachttag kommt. Ich habe ja bereits zu Beginn geschrieben, dass ich möglichst viel vom Schwein verarbeiten möchte und dazu gehört nicht nur das typische “Nose-to-tail Eating”, sondern auch die Fragestellung, was man denn sonst noch so alles aus den verschiedenen Teilen des Tiers machen kann. Judith hat z. B. bereits die erste Charge Seife hergestellt, was ich auch sehr interessant finde. Ich werde demnächst beginnen, die Liste der Teilstücke um weitere Themen und Fragestellungen zu ergänzen…

Salami Berkshire
Salami vom Berkshire
Schinken Berkshire
Schinken vom Berkshire. Das Fett schmilzt gerade so im Mund…

Auf jeden Fall waren die Salami und der Schinken, die wir heute noch probiert haben ein Gedicht und natürlich stehen diese Produkte ohnehin auf der ToDo-Liste!

Video von Miss Ellie zum Besuch im Februar

Als ich neulich bei Miss Ellie zu Besuch war, habe ich auch mal wieder ein paar Videoaufnahmen gemacht. Hier gibt’s noch ein paar mehr Infos zu den Fressmatten, dem Hoffest 2016 (bom 09.-12. September) und noch ein paar Gedanken…

Wie immer freue ich mich über Feedback oder Kommentare.

Schon zwei Monate alt und ganz schön groß…

Gestern war ich nach einem Monat mal wieder bei Miss Ellie zu Besuch. Sie ist jetzt schon zwei Monate alt und in diesen vergangenen vier Wochen hat sich schon ganz schön wieder was getan.

Die Kleinen sind nicht nur schon wieder ordentlich gewachsen, sondern fressen mittlerweile auch richtiges Futter (vor vier Wochen haben sie das erst angefangen zu entdecken und haben mehr oder weniger nur daran geknabbert und sich vor allem von der Muttermilch ernährt). Jetzt sind sie gierig wie die großen auch und kämpfen fast schon um jeden Bissen. Interessant ist, dass die Berkshire im Gegensatz zu den Tamworth wesentlich aggresiver und egoistischer sind, wenn es um das Fressen geht.

Ich konnte beim Mischen des Futters helfen und habe dann bei “meiner Gruppe” (also die, zu denen auch Miss Ellie gehört) den Futterteppich ausgebreitet und das Futter ausgestreut. Die Schweine sind so gierig, dass sie einen dabei fast umwerfen und man vor allem die Hälfte des Eimerinhalt über die Schweine kippt.

Bei herrlichem Wetter bin ich dann also so zwischen den Schweinen gesessen, habe ihnen beim Fressen zugesehen und konnte Miss Ellie ziemlich gut beobachten, mittlerweile ist auch eine direkte Kontaktaufnahme mit Ohrkraulen, über den Rücken streichen usw. möglich.